Internationale News
21. September 2026
Zehn Ansätze für mehr bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz in Städten
Städte müssen sich nicht zwischen mehr bezahlbarem Wohnraum und dem Erreichen ihrer Klimaziele entscheiden. In einem neuen Bericht, der im Rahmen der New York Climate Week vorgestellt wurde, zeigen Ramboll und C40 Cities zehn bewährte Ansätze aus Europa, Asien und Amerika, mit denen Städte beide Ziele gemeinsam voranbringen können.

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Signe Kongebro
Global Director, Future Resilient Design
Städte stehen vor der Aufgabe, mehr bezahlbaren und angemessenen Wohnraum bereitzustellen. Gleichzeitig müssen sie eine kohlenstoffarme städtische Infrastruktur schaffen und die Bevölkerung auf eine Welt vorbereiten, die zunehmend von extremen Wetter- und Klimaereignissen geprägt ist.
Diese Prioritäten werden häufig als konkurrierende Ziele betrachtet: Klimaschutzmaßnahmen gelten als Kostenfaktor und als Hemmnis für den Wohnungsbau. Doch das muss nicht so sein.
Ein neuer Bericht von Ramboll und C40 Cities mit dem Titel „Where Housing Meets Climate: Practical ways to deliver affordable and climate-ready homes“ stellt zehn bewährte Ansätze vor, die bereits von Städten weltweit angewendet werden. Er zeigt, wie sich Wohnungsbau und Klimaschutz gegenseitig unterstützen und voranbringen können.
„Die Annahme, dass wir uns zwischen ausreichend Wohnraum und unseren Klimazielen entscheiden müssen, ist weit verbreitet – aber falsch. Der Bericht zeigt, dass viele der Ansätze, die Städte heute bereits verfolgen, beides ermöglichen: Wohnraum am richtigen Ort, eine bessere Nutzung bestehender Gebäude, geringere Kosten für Haushalte und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels.“
Senior Partner and Global Design Director for Urbanism, Ramboll
Wo und wie gebaut wird, zählt ebenso wie wie viel Wohnraum entsteht
Die zehn im Bericht vorgestellten Ansätze setzen auf drei Ebenen des städtischen Raums an: Stadt, Stadtteil und Gebäude. Dazu gehören beispielsweise die Nachverdichtung, die Aufwertung von Stadtteilen sowie die Umnutzung und Sanierung bestehender Gebäude.

Auf Grundlage dieser Ansätze kommt der Bericht zu einer zentralen Schlussfolgerung: Wo und wie Städte Wohnungen bauen, kann ebenso entscheidend sein wie die Frage, wie viele Wohnungen entstehen.
Der Bericht plädiert für ein Umdenken bei der Nutzung bestehender Flächen und Gebäude, um den lokalen Wohnraumbedarf zu decken, gleichzeitig die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit der Stadtgesellschaft zu stärken.
Zudem unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit, öffentliche und private Finanzmittel besser aufeinander abzustimmen, öffentliche Flächen und Finanzierungsinstrumente effektiver zu nutzen und die Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Bereichen für Wohnungswesen, Stadtplanung, Verkehr und Klimaschutz zu verbessern. Dies könnte zu einer gerechteren und nachhaltigeren Entwicklung der Wohnungsinfrastruktur beitragen.
Im Folgenden finden sich die wichtigsten Erkenntnisse. Der vollständige Bericht ist hier zum Download verfügbar (auf Englisch).
„Über lange Zeit standen Stadtverantwortliche unter dem Druck, Klimaschutzmaßnahmen zurückzufahren – getragen von der Annahme, dass dies den Wohnungsbau beschleunigen und die Baukosten senken würde. Der Bericht zeigt, dass diese Gegenüberstellung nicht zutrifft. Von Bogotá bis Warschau, von Vancouver bis Jakarta zeigen Städte bereits, dass Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit miteinander vereinbar sind. Ansätze wie eine an den öffentlichen Verkehr angebundene Stadtentwicklung, Nachverdichtung, die Aktivierung leerstehender Gebäude, die Entwicklung brachliegender Flächen sowie innovative, kosteneffiziente und CO₂-arme Bauweisen bieten erprobte Möglichkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, Emissionen zu reduzieren und besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen besser vor zunehmenden Klimarisiken zu schützen.“
Senior Director of Climate Solutions and Networks and Director of Urban Planning and Design, C40 Cities
Drei zentrale Erkenntnisse aus dem Bericht
- Fakt:
1. Mehr Wohnraum an den richtigen Standorten schaffen und die „Missing Middle“ adressieren
- Fakt:
2. Bestehende Gebäude und Stadtteile neu beleben
- Fakt:
3. Neue Modelle für öffentliche und private Investitionen erkunden
Nachverdichtung und Innenentwicklung ermöglichen eine bessere Nutzung brachliegender und unzureichend genutzter Flächen. Eine an den öffentlichen Verkehr orientierte Stadtentwicklung kann zudem Wohnraum näher an Arbeitsplätze und wichtige Einrichtungen bringen.
1. Mehr Wohnraum an den richtigen Standorten schaffen und die „Missing Middle“ adressieren
Die Ausdehnung von Städten ins Umland kann zwar zusätzlich Wohnraum schaffen, beansprucht jedoch natürliche Flächen, erhöht die Infrastrukturkosten, setzt neue Wohnungen zusätzlichen Klimarisiken aus und kann die Abhängigkeit vom Auto verstärken.
Stattdessen sollten Städte durch Stadt- und Flächennutzungsplanung mehr Wohnraum innerhalb bestehender Siedlungsgebiete schaffen – insbesondere in der Nähe des öffentlichen Verkehrs und vorhandener Infrastruktur.
Der Bericht zeigt, dass die Schaffung von Wohnraum der „Missing Middle“ – etwa in Form von Doppel- und Dreifachhäusern sowie Reihenhäusern – in bestehenden Stadtgebieten die kommunalen Infrastrukturkosten um bis zu 40 % pro Wohneinheit¹ senken, den CO₂-Fußabdruck der Haushalte um mehr als 20 %² verringern und die Bezahlbarkeit verbessern kann. Grundstücks- und Erschließungskosten lassen sich dabei auf kleinere Wohneinheiten verteilen.
2. Bestehende Gebäude und Stadtteile neu beleben
Städte müssen nicht alles neu bauen. Leerstehende Häuser und ungenutzte Gebäude, ehemalige Industriegelände sowie bestehender Wohnungsbestand bieten Möglichkeiten, Wohnraum zu schaffen oder aufzuwerten und gleichzeitig die mit Neubauten verbundenen Emissionen zu vermeiden.
Umfassende Sanierungen können die in Gebäuden gebundenen CO₂-Emissionen reduzieren, die Energiekosten der Haushalte senken und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Kälte erhöhen. Durch adaptive Umnutzung lassen sich nicht mehr benötigte Bürogebäude und andere Gebäude in Wohnraum umwandeln. Eine Erneuerung auf Stadtteilebene kann zudem Gebäudesanierungen mit grüneren öffentlichen Räumen, einer verbesserten Entwässerung und effizienteren Energiesystemen verbinden.
In Brüssel wurden beispielsweise im Rahmen des BatEx-Programms Wohngebäude nach dem Passivhausstandard saniert und dabei Energieeinsparungen von bis zu 80 % erzielt. In Seoul wurde eine Gebäude-Energiedatenbank mit zinslosen Sanierungsdarlehen für einkommensschwache Gebiete kombiniert. Dies führte zur Sanierung von 4.000 Wohnungen³.
3. Neue Modelle für öffentliche und private Investitionen erkunden
DDie tatsächlichen Wohnkosten gehen über Miete oder Kaufpreis hinaus. Auch Energie-, Verkehrs-, Versicherungs- und Instandhaltungskosten beeinflussen, ob eine Wohnung tatsächlich bezahlbar ist. Ebenso kann eine günstige Wohnung in einem hochwassergefährdeten Gebiet oder ein schlecht gedämmtes Gebäude für die Bewohner über die gesamte Nutzungsdauer hinweg deutlich höhere Kosten verursachen.
Das bedeutet, dass Städte über die unmittelbaren Baukosten hinausblicken und den langfristigen Wert von Wohnraum berücksichtigen müssen. Um dies in größerem Maßstab zu erreichen, sind Veränderungen bei der Finanzierung und Steuerung des Wohnungswesens erforderlich.
Bericht herunterladen
Der Bericht „Where Housing Meets Climate: Practical ways to deliver affordable and climate-ready homes“ stellt zehn Ansätze, internationale Fallstudien und praktische Empfehlungen für Verantwortliche in Städten, Planer, Bauträger und Wohnungsbaugesellschaften vor.
Der Bericht steht hier zum Download bereit und zeigt die zehn Ansätze sowie konkrete Maßnahmen, mit denen Städte mehr bezahlbaren und klimaresilienten Wohnraum schaffen können.
Über die Partner und den Bericht
Der Bericht wurde im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zwischen der Ramboll Foundation und C40 Cities erarbeitet. Ziel der Partnerschaft ist es, die Widerstandsfähigkeit von Städten zu stärken und das Wohlergehen der Bevölkerung in den Mittelpunkt der Stadtentwicklung zu stellen. Sie verbindet das globale Netzwerk von C40 mit der Forschungs-, Politik- und Fachkompetenz von Ramboll, um Städte bei der Entwicklung widerstandsfähigerer und nachhaltigerer städtischer Räume zu unterstützen.
Der Bericht wurde am 21. September auf dem „Partnerships for the Future“-Gipfel im Rahmen der Climate Week in New York vorgestellt. Zu den Rednerinnen gehörten die ehemalige Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, und die Oberbürgermeisterin von Kopenhagen, Sisse Marie Welling. Anschließend wurden die Ergebnisse von einer Expertenrunde vorgestellt und diskutiert. Zu den Teilnehmenden gehörten Heather T. Clark, ehemalige Senior Director für Klimapolitik im Bausektor im Weißen Haus unter der Biden-Regierung; Thure Krarup, Global Public Affairs & Policy bei Urban Partners; Signe Kongebro, Senior Partnerin und Global Design Director für Stadtplanung bei Ramboll; sowie Hélène Chartier, Direktorin für Stadtplanung und -gestaltung bei C40 Cities.
[1] Victoria Transport Policy Institute. Smart Growth Policy Reforms. 2023. https://vtpi.org/smart_growth_reforms.pdf
[2] EPA und
[3] Copenhagen Centre on Energy Efficiency. Building Retrofit Program (BRP); Loan Support Scheme - Copenhagen Centre on Energy Efficiency
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