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    12. Mai 2026

    Bieten Zertifizierungen für nachhaltiges Bauen ausreichende Klimaresilienz?

    Green-Building-Zertifizierungen integrieren Nachhaltigkeit in die Gebäudeplanung, garantieren jedoch keine Klimaresilienz. Erfahren Sie, wo Lücken entstehen und wie sie sich mit einem praxisnahen Ansatz schließen lassen.

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    Rachael Barber

    Rachael Barber

    Sustainability Consultant

    Grüne Zertifizierungen sind zu einem wichtigen Merkmal verantwortungsvoller Gebäudeplanung geworden. Sie helfen Projektentwicklern, ihre Nachhaltigkeitsleistungen gegenüber Investoren und Mietern sichtbar zu machen. Doch angesichts zunehmender Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürme stellt sich die Frage: Bedeutet eine Zertifizierung auch, dass ein Gebäude auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet ist?

    Umfang und Dynamik der Zertifizierungslandschaft machen diese Frage zunehmend relevant. Da Zertifizierungen weltweit immer weiter verbreitet sind, beeinflussen die zugrunde liegenden Rahmenwerke maßgeblich, wie Gebäude geplant, bewertet und beurteilt werden.

    Doch auch wenn Systeme wie LEED und BREEAM kontinuierlich weiterentwickelt werden, um Klimaresilienz stärker zu berücksichtigen, hängen sie nach wie vor von entscheidenden Einschätzungen der Projektteams ab – insbesondere bei der Auswahl relevanter Klimaszenarien und bei der Übertragung von Risikoerkenntnissen in Planung und Betrieb.

    Das macht einen wichtigen Unterschied deutlich: Eine Zertifizierung kann eine Absicht dokumentieren, garantiert aber nicht die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Gebäudes. Dieser Artikel zeigt, wo diese Lücke entsteht und was nötig ist, um sie zu schließen.

    Häkchen setzen oder zukunftssicher bauen? Die Resilienzlücke bei Gebäudezertifizierungen

    Aktuelle Updates wie LEED v5 und BREEAM v7 setzen stärkere Akzente bei der Klimaresilienz. Dennoch überlassen sie Projektteams nach wie vor zwei entscheidende Entscheidungen: 1. für welche zukünftigen Klimaszenarien geplant werden soll und 2. wie konsequent Erkenntnisse aus der Klimarisikobewertung in Planung und Betrieb einfließen. Genau hier entsteht die Resilienzlücke – zwischen zertifizierter Zielsetzung und tatsächlicher Leistungsfähigkeit.

    Nehmen wir das Risiko von Überhitzung: Ein LEED-zertifiziertes Gebäude kann beispielsweise Punkte für Energieeffizienz durch eine hochwertige Dämmung und leistungsfähige Fenster erhalten. Berücksichtigt das zugrunde gelegte Klimaszenario jedoch nicht die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen in der Region, kann die Dämmung eine Überhitzung des Gebäudes dennoch nicht verhindern. Die Folge können Beeinträchtigungen des Nutzerkomforts und der Betriebseffizienz sein.

    Ohne gezielte Maßnahmen besteht das Risiko, dass selbst ein nachhaltig zertifiziertes Gebäude oder ein ganzer Campus den Anforderungen des Klimawandels nicht wie erwartet standhält. Um diese Lücke zu schließen, sind drei Schritte entscheidend:

    1. Die passenden Credits des jeweiligen Zertifizierungssystems auswählen
    2. Ein plausibles Worst-Case-Klimaszenario zugrunde legen und anhand aktueller lokaler Wetterdaten überprüfen
    3. Die Erkenntnisse aus der Klimavulnerabilitäts- und -risikobewertung in konkrete Anforderungen an das Gebäude- oder Campusdesign überführen

    Barking Community Diagnostic Centre (CDC)

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    Klimaresilienz wurde von Beginn an in die Planung integriert. Ramboll unterstützte das Projektteam bei der Auswahl geeigneter BREEAM New Construction V6-Credits, der Bewertung zukünftiger Klimaszenarien und der Überführung der identifizierten Risiken in konkrete Designmaßnahmen.

    Eine frühzeitige BREEAM-Vorbewertung schuf eine klare Grundlage für die Nachhaltigkeits- und Resilienzstrategie – zu einem Zeitpunkt, an dem Designentscheidungen noch gezielt beeinflusst werden konnten. Wesentliche Risiken wie Überhitzung, Überflutung, Materialbeständigkeit und langfristige Leistungsfähigkeit wurden so frühzeitig berücksichtigt und adressiert.

    Eine dynamische thermische Modellierung unter aktuellen und zukünftigen Klimaszenarien (DSY2 und DSY3) bestätigte, dass alle Räume die Komfortanforderungen der ISO 7730 erfüllten. Gleichzeitig zeigte die Analyse, dass das Gebäude sowohl gegenüber Hitzewellen als auch kälteren Wetterbedingungen resilient ausgelegt ist.

    Die Ergebnisse der Bewertung flossen direkt in die Planung ein. Langlebige Materialien wurden spezifiziert, um zukünftigen klimabedingten Belastungen standzuhalten. Eine formelle Strategie zur Anpassung an den Klimawandel adressierte zudem Risiken wie Überhitzung, Überschwemmungen und Beeinträchtigungen der Luftqualität und stärkte die Widerstandsfähigkeit der technischen Systeme. Zu den Maßnahmen gehörten eine modulare Bauweise, robuste MEP-Systeme und eine langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes.

    Das Barking CDC zeigt, wie Gesundheitseinrichtungen anpassungsfähig, zukunftssicher und resilient geplant werden können, wenn Resilienz von der Konzeptphase bis in den Betrieb mitgedacht wird. Das Projekt wurde mit BREEAM Excellent ausgezeichnet und zeigt, wie sich Nachhaltigkeitsziele in konkrete, leistungsfähige Lösungen übersetzen lassen.

    Wie berücksichtigen aktuelle Zertifizierungssysteme die Klimaresilienz?

    Green-Building-Zertifizierungen bieten Orientierung für nachhaltiges Bauen, berücksichtigen die Anpassung an den Klimawandel jedoch in unterschiedlichem Umfang und enthalten häufig nur optionale Anforderungen an die Klimaresilienz. Gleichzeitig entwickeln sich die Systeme weiter: Aktuelle Versionen wie LEED v5 und BREEAM v7 legen einen stärkeren Fokus auf Klimaresilienz und Klimaanpassung.

    • LEED v5 geht hier den deutlichsten Schritt und führt eine verpflichtende Bewertung der Klimaresilienz ein. Projekte müssen mindestens zwei relevante potenzielle Klimarisiken identifizieren und deren Auswirkungen auf das Projekt bewerten. Die Ergebnisse dieser Bewertung sollen – sofern relevant – in die Planung einfließen und konkrete Designentscheidungen beeinflussen.
    • BREEAM v7 legt dagegen einen stärkeren Fokus auf die Kohlenstoffbilanz und die Nachhaltigkeitsberichterstattung über den gesamten Lebenszyklus. Die Anpassung an den Klimawandel bleibt jedoch weitgehend optional und ist keine verpflichtende Anforderung.

    Auch andere Systeme passen sich an:

    • WELL entwickelt seine Kriterien kontinuierlich weiter und aktualisiert sie vierteljährlich. Kürzlich wurden zudem spezielle Zertifizierungsprogramme für Wohn- und Arbeitsgebäude eingeführt, um gezielter auf die unterschiedlichen Anforderungen dieser Gebäudetypen einzugehen.
    • Green Star (Australien) verlangt seit 2020 als Mindestanforderung für alle Projekte eine Bewertung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel. Im Rahmen dieser Voraussetzung muss jedes Projekt eine Checkliste zum Climate Change Pre-Screening ausfüllen, um die Exposition des Gebäudes gegenüber direkten und indirekten Klimarisiken zu ermitteln. Die Ergebnisse werden dem Antragsteller zur Verfügung gestellt und sollen dazu beitragen, Planungsentscheidungen gezielt zu beeinflussen.
    • Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) integriert Maßnahmen zur Klimaanpassung in mehrere Kriterien und ermöglicht dabei eine flexible, standortbezogene Bewertung. Eine explizite Verpflichtung zur Klimaanpassung besteht jedoch nicht. Die tatsächliche Wirksamkeit hängt daher maßgeblich von der Qualität der Umsetzung und der kontinuierlichen Überwachung ab.

    Diese Programme fördern zwar eine vorausschauende Planung, schreiben jedoch keine spezifischen Klimaszenarien vor, sondern überlassen entscheidende Weichenstellungen dem jeweiligen Projektteam.

    Das ist relevant, weil ein hoher Zertifizierungsgrad den Eindruck erwecken kann, dass die Klimaanpassung umfassend berücksichtigt wurde – obwohl wichtige Entscheidungen, etwa zur Auswahl geeigneter Klimaszenarien oder zur Überführung der Erkenntnisse in konkrete Designmaßnahmen, möglicherweise gar nicht getroffen wurden.

    Die Lücke schließen: Die Wahl des Klimaszenarios kann entscheidend sein

    Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Bauen schreiben in der Regel keine konkreten Klimaszenarien vor. Stattdessen fordern sie Projektteams dazu auf, vorausschauend zu planen und belastbare Daten zu verwenden – die Wahl des geeigneten Szenarios bleibt jedoch dem Planungsteam überlassen.

    Welche Entscheidung sinnvoll ist, hängt unter anderem von lokalen Vorgaben, der individuellen Risikotoleranz und der erwarteten Lebensdauer des Gebäudes ab. Anders gesagt: Es gibt keine allgemeingültige Vorgabe. Entscheidend ist vielmehr, die zukünftige Entwicklung so zu berücksichtigen, dass sie den spezifischen Risiken und Anforderungen des jeweiligen Projekts gerecht wird.

    Wählen Sie ein Szenario, das der Lebensdauer und dem Risikoprofil Ihres Assets entspricht. Bei langlebigen oder geschäftskritischen Assets sollten häufig auch schwerwiegendere Szenarien berücksichtigt werden, um kostspielige Nachrüstungen zu vermeiden.

    Sobald das Klimaszenario festgelegt und die Risikoanalyse abgeschlossen ist, besteht der nächste Schritt darin, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu überführen.

    Die Analyse sollte nicht als eigenständiger Bericht betrachtet werden, sondern als Grundlage für die Gebäudeplanung dienen und diese gezielt beeinflussen. Die Ergebnisse sollten in die Material- und Systemauswahl sowie in die Grundrissgestaltung einfließen, um identifizierte Schwachstellen gezielt zu adressieren.

    Risiken mit hoher Priorität sollten bei der Maßnahmenplanung zuerst berücksichtigt werden, damit Resilienzmaßnahmen gezielt und kosteneffizient umgesetzt werden können. Dabei sollte die Planung über die Bauphase hinausgehen: Betriebskonzepte für die künftigen Gebäudenutzer, die sowohl Notfallmaßnahmen als auch langfristige Anpassungen berücksichtigen, sind entscheidend, um Klimaresilienz dauerhaft wirksam und praxistauglich zu machen.

    Von der Zertifizierung zur echten Klimaresilienz

    Green-Building-Zertifizierungen können wirkungsvolle Instrumente sein – allein garantieren sie jedoch keine Klimaresilienz.

    Klimaresiliente Gebäude erfordern die Auswahl geeigneter Klimaszenarien, die Überführung von Risikoerkenntnissen in Planung und Betrieb sowie die frühzeitige Integration von Resilienz in den Planungsprozess. Zertifizierungen können diesen Prozess unterstützen – vorausgesetzt, sie werden gezielt eingesetzt und mit fundierter Klimarisikokompetenz kombiniert.

    Letztlich sind es nicht die Gebäude mit den höchsten Zertifizierungswerten, die langfristig bestehen werden, sondern diejenigen, die darauf ausgelegt sind, unter den realen und zukünftigen Bedingungen des Klimawandels zuverlässig zu funktionieren.

    Praxisleitfaden herunterladen (auf Englisch)

    Wie Zertifizierungsrahmenwerke dabei helfen, Klimaresilienz zu erreichen

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    Rachael Barber

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