Wie Tempo-30-Zonen Städte widerstandsfähiger machen können

Mit Unterstützung der Sustainable Development Foundation hat Ramboll eine umfassende Metaanalyse durchgeführt, die 47 Studien aus mehr als 40 europäischen Städten untersucht. Ziel war es, die Auswirkungen von Tempo-30-Zonen auf Umweltbelastungen in Städten, Verkehrsfluss, Lärmemissionen und Verkehrssicherheit zu bewerten. Die Studien deckten unterschiedliche urbane Kontexte ab – darunter dicht besiedelte Innenstädte, Schulumfelder und Metropolregionen – und umfassten Städte wie London, Bologna, Edinburgh und Münster.
Die Methodik umfasste das Sammeln und Zusammenfassen von Daten aus verschiedenen experimentellen Ansätzen und Simulationen. Es wurde versucht, Messungen des Verkehrsflusses, die Überwachung der Luftqualität und die Bewertung des Lärmpegels zu integrieren, um einen ganzheitlichen Blick auf die ökologischen und sozialen Auswirkungen reduzierter Geschwindigkeitsbegrenzungen zu erhalten. Dieser umfassende Ansatz ermöglichte genaue Analysen, bei denen die örtlichen Wetter- und Verkehrsbedingungen berücksichtigt wurden.
Tempo-30-Zonen und ihre Auswirkungen auf die Resilienz von Städten
Die wichtigsten Ergebnisse der Projektanalyse zeigen, dass Tempo-30-Zonen den Ausstoß gesundheitsschädlicher Luftschadstoffe wie Feinstaub (PM10 und PM2,5) sowie Stickoxiden (NOx) deutlich reduzieren können. Ursache dafür ist vor allem ein gleichmäßigerer Verkehrsfluss mit weniger abrupten Beschleunigungs- und Bremsvorgängen. Gleichzeitig weisen die Analysen darauf hin, dass es in bestimmten Fällen zu einem leichten Anstieg der CO₂-Emissionen kommen kann – insbesondere bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, die für einen effizienten Betrieb bei höheren Geschwindigkeiten ausgelegt sind. Der Anstieg kann dabei bis zu 2,7 % betragen.
Die Einführung von Tempo-30-Zonen führt zu einem drastischen Rückgang der Verkehrsunfälle mit bis zu 37 % weniger Todesopfern und 38 % weniger Verletzten, insbesondere in der Nähe von Schulen und in dicht besiedelten Stadtgebieten. Diese Verbesserung wird auf niedrigere Geschwindigkeitsbegrenzungen zurückgeführt, die die Reaktionszeit der Fahrer verbessern und die Bremswege verkürzen, was die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern erhöht.
Tempo-30-Zonen tragen zudem dazu bei, den Straßenlärm um 2 bis 4 Dezibel zu reduzieren. Dies verbessert die Lebensqualität in Wohngebieten spürbar, da urbane Stressfaktoren verringert und das Wohlbefinden der Anwohnerinnen und Anwohner gestärkt werden.
Die Studie unterstreicht die Rolle von Tempo-30-Zonen bei der Förderung von lebenswerteren und widerstandsfähigeren Städten. Diese Zonen fördern die aktive Mobilität, verbessern den öffentlichen Raum und tragen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts bei. Erfahrungen aus Städten wie Barcelona, London und Bologna zeigen, dass die Emissionen um bis zu 19 % gesenkt werden können, was der Luftqualität und den städtischen Strukturen erheblich zugute kommt, wenn sie mit nachhaltigen Mobilitätsmaßnahmen kombiniert werden.
Schlüssel zur erfolgreichen Planung und Umsetzung von Tempo-30-Zonen
Die Studie "Zone 30: The role of low-speed zones in improving urban air quality" wurde während der Sitzung zur Luftqualität auf der Green Economy Conference in Italien 2024 vorgestellt.
Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, betont die Studie, dass die Einführung von Tempo-30-Zonen eng mit der Planung von Haupt- und Nebenstraßennetzen abgestimmt werden muss – ergänzt durch Maßnahmen, die eine Verlagerung auf andere Verkehrsträger sowie umweltfreundlichere Mobilitätsformen fördern. Prognosemodelle sind dabei entscheidend, um die durch Tempo-30-Zonen ausgelösten Veränderungen der Verkehrsströme zu antizipieren. Zudem zeigt sich, dass solche Maßnahmen das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung spürbar beeinflussen können und daher über einen längeren Zeitraum kontinuierlich zu beobachten sind, da sie wesentliche Auswirkungen auf Luftqualität sowie Umwelt- und Gesundheitsnutzen haben. Entsprechend sollten bei Planung und Umsetzung von Tempo-30-Zonen Prognosemodelle zur Bewertung der Luftqualitätswirkungen mit Luftqualitäts- und Verkehrsmonitoring-Systemen kombiniert werden.
Die vollständige Studie finden Sie auf der Website der Sustainable Development Foundation.
Zentrale Auswirkungen von Tempo-30-Zonen in Kombination mit nachhaltigen Mobilitätsstrategien
- Fakt: Bis zu 19%
Emissionsminderung
- Fakt: Bis zu 4 Dezibel
Reduzierung des Straßenlärms
- Fakt: Bis zu 37%
Verringerung der Zahl der Todesopfer