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    7. Juni 2026

    Blau-grüne Infrastruktur in Deutschland: Wie Städte klimaresilienter werden

    Deutsche Projekte zeigen, dass das Schwammstadt-Prinzip in der Praxis funktioniert. Entscheidend ist nun, wie sich daraus belastbare Lösungen für Planung, Umsetzung und langfristige Stadtentwicklung ableiten lassen.

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    Gerhard Hauber

    Gerhard Hauber

    Director, Landscape Germany

    Starkregen, Hitze und längere Trockenphasen setzen Städte in Deutschland zunehmend unter Druck. Diese Entwicklungen treten immer häufiger parallel auf und machen deutlich, dass klassische Entwässerung allein nicht mehr ausreicht. Gefragt sind Lösungen, die Wasser vor Ort aufnehmen, speichern, versickern, verdunsten und bei Bedarf weiter nutzbar machen. Genau darin liegt die Stärke blau-grüner Infrastruktur: Sie verbindet Klimaanpassung mit Freiraumqualität und macht Wasser zu einem aktiven Bestandteil resilienter Stadtentwicklung. Für Kommunen, Investoren und Planende in Deutschland heißt das: Wasser muss früher und systematischer in die Entwicklung von Quartieren, Infrastrukturen und Bestandsräumen integriert werden.

    Schwammstadt ist für deutsche Städte keine Option mehr, sondern Notwendigkeit

    Das Schwammstadt-Prinzip ist in Deutschland längst mehr als ein Leitbild. Das Umweltbundesamt betont, dass Schwammstadtkonzepte eine wesentliche Grundlage sind, um Städte an zunehmende Extremereignisse wie Starkregen, Hitze und Trockenheit anzupassen. Zugleich verweist es darauf, dass der Umbau zur Schwammstadt politisch unterstützt und durch geeignete rechtliche, organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen erleichtert werden muss. Damit wird deutlich: Blau-grüne Infrastruktur ist kein Zusatz zur Stadtentwicklung, sondern ein zentraler Baustein, um Überflutungsvorsorge, Kühlung, Vegetationsentwicklung und Aufenthaltsqualität zusammenzudenken.

    Kopenhagen macht deutlich, was integrierte Klimaanpassung im großen Maßstab leisten kann

    Für den Blick auf den größeren Maßstab lohnt sich zunächst Kopenhagen. Im Bericht „The Copenhagen Way“ zeigt die dänische Hauptstadt, dass resiliente Stadtentwicklung nicht durch Einzelmaßnahmen entsteht, sondern durch langfristige Zusammenarbeit, integrierte Planung und klare politische Prioritäten. Die Transformation beruht nicht auf einem einzelnen Leuchtturmprojekt, sondern auf einem systemischen Ansatz, der Stadtentwicklung, Infrastruktur, Klimaadaption und Lebensqualität zusammenführt. Gerade für die deutsche Diskussion ist das relevant: Viele fachliche Grundlagen und gute Einzelprojekte sind vorhanden – entscheidend ist nun, wie sich daraus belastbare Strukturen für eine Umsetzung im größeren Maßstab entwickeln lassen.

    „Schwammstadt ist keine rein technische Aufgabe. Entscheidend ist, Wasser, Freiraum und Stadtentwicklung von Beginn an zusammenzudenken.“
    Gerhard Hauber

    Director Landscape Germany, Henning Larsen

    Hamburg zeigt exemplarisch, wie sich der Schwammstadt-Ansatz institutionell verankern lässt

    Wie sich ein solcher Ansatz in Deutschland strategisch verankern lässt, zeigt Hamburg. Dort wird der Weg zur Schwammstadt nicht primär über einzelne Vorzeigeprojekte gedacht, sondern über einen gesamtstädtischen, fachübergreifenden Ansatz. Mit der RegenInfraStrukturAnpassung, kurz RISA, fördern Stadt und Wasserwirtschaft einen zukunftsfähigen Umgang mit Regenwasser nach dem Prinzip der Schwammstadt und einer wassersensiblen Stadtentwicklung. Im Mittelpunkt stehen Rückhalt, Verdunstung, Versickerung und die Nutzung von Regenwasser als Ressource. Entscheidend ist dabei nicht das einzelne Leuchtturmprojekt, sondern die systematische Integration von Regenwasserbewirtschaftung in Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Infrastruktur.

    Deutschland hat die fachlichen Grundlagen – und belastbare Vorbilder aus der Praxis

    Deutschland kann bei der wassersensiblen Stadtentwicklung auf eigene Erfahrungen aufbauen. Ein frühes Beispiel ist der Potsdamer Platz in Berlin, wo bereits in den 1990er Jahren ein integriertes Regenwassersystem umgesetzt wurde, das Wasser sammelt, speichert, aufbereitet und vor Ort nutzt. Auch der Scharnhauser Park bei Stuttgart steht für eine frühe Form dezentraler Regenwasserbewirtschaftung, bei der Wasserführung und Freiraumgestaltung sichtbar zusammenwirken. Aus heutiger Sicht sind solche Projekte vor allem deshalb wichtig, weil sie zeigen, dass die grundlegenden Prinzipien nicht neu sind. Neu ist vielmehr der Maßstab, in dem sie heute angewendet werden müssen.

    Der OSTPARK Bochum veranschaulicht, wie blau-grüne Infrastruktur im Quartier wirksam wird

    Der OSTPARK in Bochum zeigt besonders anschaulich, wie blau-grüne Infrastruktur im größeren Maßstab funktionieren kann. Auf rund 43 Hektar entstehen dort etwa 1.300 Wohneinheiten. Das Regenwassermanagement folgt konsequent dem Schwammstadt-Prinzip: Wasser wird an der Oberfläche geführt, zurückgehalten, gereinigt, gespeichert und weiter genutzt. Dazu kommen offene Entwässerungsrinnen, Grünflächen zur Versickerung, Bachläufe, eine Gracht und Wasserrückhaltebecken. Gerade in der Verbindung von technischer Funktion, Freiraumgestaltung und alltäglicher Nutzbarkeit liegt die Stärke des Projekts. Dass der OSTPARK 2026 gemeinsam mit BPR Ingenieure und Henning Larsen mit dem Preis für Grün.Blaue Infrastruktur ausgezeichnet wurde, unterstreicht die fachliche Relevanz dieses Ansatzes.

    „Im OSTPARK wird Wasser nicht versteckt, sondern als sichtbarer und funktionaler Bestandteil des Quartiers gestaltet. Genau diese Verbindung aus Regenwassermanagement, Freiraumqualität und Alltagstauglichkeit macht blau-grüne Infrastruktur für uns so relevant.“
    Johanna Reisch

    Director Hamburg, Henning Larsen

    Die entscheidende Herausforderung ist jetzt die Umsetzung im größeren Maßstab

    Im Mittelpunkt steht heute weniger der Nachweis, dass blau-grüne Infrastruktur grundsätzlich funktioniert, sondern die Frage, wie sie planbar und verlässlich in die Praxis überführt werden kann. Dafür braucht es integrierte Prozesse, klare Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen, die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg ermöglichen. Auf gesamtstädtischer Ebene betrifft das etwa Leitbildentwicklung, die Anpassung von Planungsprozessen, Umsetzungsstrategien und Baustandards. Gleichzeitig zeigt sich in konkreten Vorhaben – häufig zunächst in Pilotprojekten –, wie integrierte wasserwirtschaftliche Planung sowohl im Straßenraum als auch im Freiraum umgesetzt werden kann. Genau an dieser Stelle trennt sich das gute Einzelprojekt von einer tragfähigen Praxis.

    Was Kommunen in Deutschland jetzt brauchen, ist der Schritt von Einzelprojekten zur breiten Umsetzung

    Für Kommunen in Deutschland kommt es nun darauf an, vorhandenes Wissen und erprobte Ansätze breiter in Strategien, Verfahren und Investitionsentscheidungen zu übersetzen. Wenn Wasser in der Stadt nicht nur als Ableitungsproblem verstanden wird, sondern als Teil eines funktionierenden urbanen Systems, verändert das den Blick auf Stadtentwicklung grundlegend. So entstehen aus einzelnen Maßnahmen schrittweise belastbare Strukturen für resiliente Städte – Städte, die mit Hitze, Starkregen und Trockenperioden besser umgehen können und in denen Klimaanpassung als Teil zukunftsfähiger Planung mitgedacht wird. Damit wird aus dem Schwammstadt-Prinzip kein abstraktes Zukunftsbild, sondern eine konkrete Aufgabe für Planung und Umsetzung unter veränderten klimatischen Bedingungen.

    Waaserkonzept im Ostpark Bochum

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    Director, Landscape Germany

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