Rachel Esbenshade

9. Dezember 2025

Biodiversität und naturbasierte Lösungen für Rechenzentren: Entwicklungs- und Betriebsstrategien

Entdecken Sie, wie innovative Lösungen bei der Entwicklung und dem Betrieb von Rechenzentren Biodiversität und naturbasierte Ansätze (NbS) integrieren und in jeder Phase des Lebenszyklus durch wirtschaftliche, soziale und ökologische Vorteile netto-positive Ergebnisse erzielen.

Observing the natural landscape of a deciduous forest, with the suns rays filtering through the leaves, casting tints and shades on the grassy floor below

Erstveröffentlichung im Unternehmensführer von Environment Analyst: Delivering sustainable data centres.

Warum Biodiversität für Rechenzentren wichtig ist

Angesichts der wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen Rechenzentren gewinnt die Integration von Biodiversität und naturbasierten Lösungen (NbS) für die zukunftssichere Entwicklung und den Betrieb zunehmend an Bedeutung. Durch die gezielte Förderung der Biodiversität können Betreiber von Rechenzentren nicht nur die Umweltauswirkungen minimieren, sondern auch Genehmigungsprozesse vereinfachen, die Betriebseffizienz steigern und gleichzeitig die Akzeptanz in der Gemeinschaft sowie das Wohlbefinden der Mitarbeitenden fördern. Dieser Artikel zeigt, wie Biodiversitätsstrategien und maßgeschneiderte NbS-Ansätze über den gesamten Lebenszyklus von Rechenzentren integriert werden können, um nachhaltigen Mehrwert für Unternehmen, Gemeinden und die Umwelt zu schaffen.

Was sind naturbasierte Lösungen (NbS)?

Abbildung 1. NbS können Herausforderungen auf Rechenzentrumsgeländen bewältigen und gleichzeitig Biodiversitäts- und soziale Vorteile bieten. Abbildung adaptiert von IUCN 2016.

Naturbasierte Lösungen (NbS) nutzen natürliche Systeme, um ökologische, soziale und betriebliche Herausforderungen zu meistern. Für Rechenzentren können NbS Maßnahmen wie die Wiederherstellung einheimischer Lebensräume, die Anlage grüner Pufferzonen, das Wassermanagement über Feuchtgebiete oder die Gestaltung natürlicher Landformen zur Temperaturregulierung und Erosionskontrolle umfassen. Diese Ansätze erfüllen nicht nur die gleichen Funktionen wie technische Lösungen, sondern bieten zugleich zusätzliche Vorteile für Mensch und Umwelt. Biodiversität bildet dabei die Grundlage der Wirksamkeit von NbS, denn vielfältige Ökosysteme erbringen wichtige Funktionen wie Bodenstabilität, Wasserrückhalt und Bestäubung. Investitionen in NbS fördern die lokale Biodiversität und steigern gleichzeitig die Leistungsfähigkeit sowie die Widerstandsfähigkeit von Rechenzentrumsstandorten.

Auswirkungen managen: Vermeidung, Minimierung und Wiederherstellung

Abbildung 2. Die Minderungshierarchie strukturiert Standortentscheidungen rund um die Biodiversität.

Der effektivste Weg, Biodiversität zu schützen, besteht darin, Schäden von vornherein zu vermeiden. Bei der Standortauswahl bedeutet dies, Flächen mit geringem ökologischem Wert zu bevorzugen und das Design so anzupassen, dass prioritäre Lebensräume erhalten bleiben. Können Auswirkungen nicht vollständig vermieden werden, sollten sie durch sorgfältige Planung minimiert werden – etwa durch Reduzierung der bebauten Fläche oder eine optimierte Platzierung der Anlagen. Maßnahmen zur Wiederherstellung, wie das Anpflanzen einheimischer Arten oder die Rehabilitierung von Ökosystemen, kommen zum Einsatz, wenn Vermeidung und Minimierung nicht ausreichen. Regulatorische Rahmenwerke wie der Biodiversitätsnettogewinn (BNG) können Unternehmen verpflichten, verbleibende Auswirkungen auszugleichen. Dennoch sollten Ausgleichsmaßnahmen stets als letztes Mittel betrachtet werden.

Was sind wirksame NbS-Ansätze zur Reduzierung der Umweltauswirkungen in Rechenzentren?

Standortauswahlphase:
Ein frühzeitiges Screening unter Verwendung von Biodiversitätsmetriken und Naturschutzkarten ermöglicht die Identifizierung von Standorten mit geringem Biodiversitätswert und hilft, ökologische Risiken sowie Genehmigungsauflagen zu reduzieren. Die Auswahl zuvor bebauter oder degradierter Flächen kann Genehmigungsverfahren erleichtern und zugleich Chancen für Umweltverbesserungen bieten. Ein durchdachtes Standortdesign, einschließlich Maßnahmen zur Habitatwiederherstellung, unterstützt die Erreichung eines Biodiversitätsnettogewinns oder die Vermeidung von Nettoverlusten – insbesondere dann, wenn die Ausgangsbasis an Biodiversität niedrig ist.

Standortlayout- und Entwurfsphase:
Die frühzeitige Integration von Biodiversitätsaspekten in Planung und Entwurf reduziert Risiken und steigert den Mehrwert eines Standorts. Die Identifizierung und Erhaltung ökologischer Hotspots – etwa Feuchtgebiete oder einheimische Vegetation – kann kostspielige Umplanungen vermeiden und Vertrauen bei Behörden sowie in der Gemeinschaft schaffen. Biodiversitätsmetriken bieten eine transparente Grundlage, um Standortoptionen zu vergleichen und Entscheidungen zu treffen, die die ökologischen Auswirkungen minimieren. Naturbasierte Designmerkmale wie Versickerungsmulden oder bewaldete Pufferzonen können traditionelle Infrastruktur ersetzen, betriebliche Vorteile liefern und zugleich Anliegen der Gemeinschaft berücksichtigen.

Bauphase:
Naturpositive Baupraktiken – wie die Begrenzung von Vegetationsrodungen, Erosionskontrolle und ein effektives Verschmutzungsmanagement – tragen dazu bei, gesunde Ökosysteme zu erhalten. Pufferzonen mit einheimischen Pflanzenarten reduzieren Staub und Lärm, während eine zeitliche Abstimmung der Bauarbeiten zur Vermeidung sensibler Wildtierperioden Umweltverantwortung zeigt. Der Einsatz wiederverwendeter Materialien und das Recycling von Bauabfällen unterstützen die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und verringern den Verlust von Lebensräumen.

Betriebs- und Wartungsphase:
Nachhaltige Betriebspraktiken – etwa der Einsatz erneuerbarer Energien, wassereffizienter Kühlung und Abwärmerückgewinnung – verringern den Druck auf lokale Ökosysteme. Naturbasierte Lösungen (NbS) wie Gründächer, begrünte Wände und Regenwassernutzungssysteme steigern die Ressourceneffizienz und schaffen gleichzeitig Lebensräume für Bestäuber und Vögel. Die Einbindung lokaler Interessengruppen in Biodiversitätsinitiativen stärkt das Vertrauen und erzeugt gemeinsamen Wert, wodurch die soziale Betriebslizenz unterstützt wird.

Best Practices für die Integration von Biodiversitätsüberlegungen in Design und Betrieb von Rechenzentren
  • Maßgeschneiderte Lösungen: Naturbasierte Lösungen (NbS) sollten an die spezifischen betrieblichen, ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen jedes Standorts angepasst werden. Die Nutzung einheimischer Lebensräume und die kontinuierliche Bewertung von Verbesserungen mithilfe von Biodiversitätsmetriken sichern dabei nachhaltige und wirkungsvolle Vorteile.
  • Zusammenarbeit: Die Positionierung von NbS als Chancen für Innovation und Resilienz fördert die Unterstützung von Projektteams und Interessengruppen.
  • Überwachung und Management: Fortlaufende Überwachung und adaptives Management sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass NbS weiterhin die beabsichtigten Vorteile im Laufe der Zeit liefern.
Der Business Case für Biodiversität und NbS

Die Integration von Biodiversität und NbS in Rechenzentrumsprojekte ist eine strategische Investition. Diese Ansätze helfen, Risiken wie Genehmigungsverzögerungen, Überschwemmungen und öffentlichen Widerstand zu mindern, während sie gleichzeitig Betriebseffizienz, regulatorische Vorteile und langfristige Kosteneinsparungen erschließen. Durch die Zusammenarbeit mit der Natur können Rechenzentren die Kapitalrendite verbessern, die Standortleistung steigern und das Naturkapital schützen, das die Geschäftstätigkeit unterstützt. Dieser Ansatz positioniert Rechenzentren so, dass sie Nachhaltigkeitsverpflichtungen mit dauerhaftem finanziellem und Reputationswert erfüllen können.

Abbildung 3. Übersicht über Vorteile und Risikominderungsmöglichkeiten

Rambolls Expertise für Ihren Projekterfolg

Ramboll bietet ein umfassendes Dienstleistungspaket zur Unterstützung nachhaltiger Rechenzentren-Entwicklung und -Betrieb.

Unsere Expertise umfasst:

  • Biodiversitätsstrategie und wissenschaftsbasierte Ziele für die Natur: Entwicklung naturpositiver Strategien und Festlegung messbarer, wissenschaftsbasierter Ziele in Übereinstimmung mit führenden Rahmenwerken.
  • Standortauswahl und Umwelt-Screening: Identifizierung optimaler Standorte mit geringerem Biodiversitätswert, weniger Umweltauflagen und reduziertem Genehmigungsrisiko.
  • Biodiversitätsmetriken, Kartierung und Nettogewinn für Entwicklung: Anwendung robuster Biodiversitätsmetriken, räumlicher Kartierung und Biodiversitätsnettogewinn-Prinzipien zur Steuerung von Standortauswahl, Masterplanung und Projektdesign.
  • Naturkapitalbewertungen und -buchhaltung: Quantifizierung von Ökosystemdienstleistungen und Naturkapital zur Information von Investitionsentscheidungen, Risikomanagement und langfristiger Wertschöpfung.
  • Naturbasierte Lösungen und ökologische Wiederherstellung: Planung und Umsetzung von NbS wie Gründächern, Versickerungsmulden, Habitatkorridoren und Wiederherstellungsprojekten zur Verbesserung der Resilienz und Biodiversitätsergebnisse.
  • Regeneratives Design für Gebäude und Landschaften: Integration regenerativer Prinzipien in Gebäude- und Landschaftsdesign zur Wiederherstellung ökologischer Funktionen und Verbesserung der Standortleistung im Laufe der Zeit.
  • Nachhaltige Baupraktiken: Beratung zu umweltschonenden, naturpositiven Baumethoden, die Störungen minimieren und gesunde Ökosysteme unterstützen.
  • Naturrisiken in Wertschöpfungsketten, Betrieben und Portfolios: Identifizierung und Management naturbezogener Abhängigkeiten, Risiken und Chancen in Lieferketten, Standorten und Vermögensportfolios.
  • Verschmutzungs- und ökologische Risikobewertung: Bewertung chemischer, physikalischer und biologischer Stressoren zur Evaluierung ökologischer Risiken und Information von Minderungs- und Sanierungsstrategien.
  • Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung für Biodiversität und Ökosysteme: Unterstützung von Offenlegungen und Berichterstattung (z. B. Biodiversität, Ökosysteme, naturbezogene Risiken) im Einklang mit aufkommenden Vorschriften und freiwilligen Rahmenwerken.
  • Betriebseffizienz und Ressourcenoptimierung: Integration erneuerbarer Energien, wassereffizienter Kühlung, zirkulärer Ressourcennutzung und Abwärmerückgewinnung zur Verbesserung der Leistung bei gleichzeitiger Reduzierung der Umweltauswirkungen.
  • Stakeholder-Engagement und Partnerschaften: Förderung der Zusammenarbeit mit Gemeinden, Behörden, NGOs und anderen Interessengruppen zum Aufbau von Vertrauen, Ko-Kreation von Biodiversitätsinitiativen und Kommunikation von Ergebnissen.

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