Andrea Merkle

9. Dezember 2025

Standortwahl für Rechenzentren: Kriterien für erfolgreiche Entwicklung

Die Wahl des richtigen Standorts für Rechenzentren ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Frühzeitige Standortbewertungen tragen dazu bei, Verzögerungen zu vermeiden und Projekte effizient sowie planungssicher umzusetzen. Die entscheidenden Kriterien der Standortwahl reichen von technischen und infrastrukturellen Anforderungen über ökologische Aspekte bis hin zu sozialen und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Erstmals veröffentlicht im Environment Analyst Corporate Guide: Delivering sustainable data centres.

Die Wahl des richtigen Standorts für Rechenzentren ist ein zentraler Erfolgsfaktor für jedes Projekt. Angesichts des rasanten Wachstums KI-gestützter Anwendungen gewinnt eine fundierte Standortentscheidung zunehmend an Bedeutung. Werden frühzeitige Bewertungen vernachlässigt, drohen kostspielige Verzögerungen und ineffiziente Ressourcennutzung. Eine sorgfältige Due Diligence ist daher unerlässlich, um wirtschaftliche Sicherheit zu gewährleisten und die langfristige Effizienz des Rechenzentrumsbetriebs sicherzustellen.

Die Bedeutung der Standortwahl

Die weltweite Nachfrage nach Rechenzentrumsleistung wächst rasant, da führende Marktakteure massiv investieren, um den steigenden Bedarf zu decken. Zwischen 2023 und 2028 wird die Rechenleistung von Rechenzentren voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16 Prozent zunehmen. Generative KI-Workloads stellen dabei das am schnellsten wachsende Segment dar, mit einer prognostizierten CAGR von 65 Prozent. Gleichzeitig werden klassische Unternehmens-Workloads auch im Jahr 2028 weiterhin rund 55 Prozent der Gesamtnachfrage ausmachen. Hyperscaler treiben das Marktwachstum maßgeblich voran: Sie werden voraussichtlich rund 60 Prozent des Branchenwachstums generieren und ihren Anteil an der globalen Nachfrage von derzeit 35 auf etwa 45 Prozent steigern. Der US-Markt bleibt dabei führend und verzeichnet ein erwartetes Wachstum von 18 Prozent CAGR.

Abbildung 1: Rechenzentrum und damit verbundenes Stromwachstum

Die richtige Standortbewertung als Grundlage erfolgreicher Rechenzentrumsimplementierungen

1. Technische Überlegungen

Sicherung zuverlässiger Stromquellen:
Eine zuverlässige und leistungsfähige Stromversorgung bildet das Fundament jedes Rechenzentrums. Geeignete Standorte müssen Zugang zu skalierbaren Stromnetzen oder zur Vor-Ort-Energieerzeugung bieten, um sowohl den aktuellen als auch den zukünftigen Energiebedarf zuverlässig abzudecken. Die Bewertung der Nähe zu Kraftwerken sowie zu erneuerbaren Energiequellen trägt wesentlich zur Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz bei. Hyperscale-Cloud-Rechenzentren weisen typischerweise einen Strombedarf von über 100 Megawatt (MW) auf, während KI-orientierte Rechenzentren bis zu 200 MW benötigen können. Teilweise werden sogar Leistungen von bis zu 600 MW nachgefragt – ein klarer Hinweis auf den Bedarf an äußerst robuster Energieinfrastruktur. Innovative Versorgungskonzepte gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Dazu zählen unter anderem Mikronetze, Batterieenergiespeichersysteme (BESS), kleine modulare Kernreaktoren (SMR), Brennstoffzellen sowie erdgasbasierte Erzeugungsanlagen.

Netzwerkkonnektivität und Latenzoptimierung:
Schnelle und zuverlässige Breitbandverbindungen sind für den Betrieb eines Rechenzentrums unverzichtbar. Die Nähe zu wichtigen Netzwerkknoten und Glasfaserrouten beeinflusst entscheidend die Latenz und Performance, insbesondere bei Cloud-Rechenzentren. Für KI-Rechenzentren spielt Latenz eine geringere Rolle, was bei der Standortwahl mehr Flexibilität erlaubt.

Sicherheitsmaßnahmen – physische, Netzwerk- und Datensicherheit:
Sowohl physische als auch digitale Sicherheitsvorkehrungen sind für Rechenzentren von höchster Bedeutung. Geeignete Standorte sollten über robuste Überwachungssysteme, strikte Zugangskontrollen und eine gesicherte Perimeterinfrastruktur verfügen sowie eine gute Anbindung an Notdienste gewährleisten. Gleichzeitig muss die Cybersicherheitsarchitektur sicherstellen, dass sensible Daten jederzeit zuverlässig geschützt sind.

Nähe zu Endbenutzern und Branchenökosystemen:
Eine strategische Standortwahl in der Nähe von Stadtzentren und Industrieclustern trägt dazu bei, Latenz zu minimieren und die Konnektivität zu verbessern. Hyperscale- und Colocation-Rechenzentren werden häufig in Metropolregionen errichtet, expandieren jedoch zunehmend in sekundäre und entlegene Standorte. Dort profitieren sie von stabilen Temperaturen, verlässlicher Wasserverfügbarkeit und Zugang zu erneuerbaren Energiequellen.

2. Umwelt- und regulatorische Überlegungen

Zonierung und Genehmigung:
Zonierungsvorschriften und Genehmigungsverfahren stellen sicher, dass Rechenzentren mit den lokalen Gegebenheiten kompatibel sind. Entwickler müssen Regelungen zu Gebäudehöhen, Rückversetzungen sowie Luft- und Lärmstandards berücksichtigen und notwendige Genehmigungen frühzeitig einholen, um Projektverzögerungen zu vermeiden. In Europa adressiert die Richtlinie (EU) 2024/2881 insbesondere die Luftqualität von Rechenzentren und beeinflusst damit sowohl die Standortwahl als auch das technische Design. In den USA setzen neue Vorschriften wie Virginias SB 1046 auf strenge Lärmkontrollen und verpflichtende öffentliche Benachrichtigungen. Städte wie Phoenix haben zudem spezifische Verordnungen erlassen, die den Trend zu stärker lokalisierter Regulierung verdeutlichen.

Nähe zur Kühlinfrastruktur und Wasser:
Effiziente Kühlung ist entscheidend für die Leistung eines Rechenzentrums. Die Nähe zu Kühlwasseranlagen und nachhaltigen Wasserquellen senkt Betriebskosten und sichert den langfristigen Betrieb – besonders in Regionen mit Wasserknappheit oder strengen Umweltvorschriften.

Lokales Klima und Nachhaltigkeit:
Kühlere Klimazonen reduzieren die Kühlkosten, während wärmere Regionen höhere Energiekosten verursachen. Ein fundiertes Verständnis der lokalen klimatischen Bedingungen ist entscheidend, um Effizienz, Nachhaltigkeit und langfristige Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.

Naturkatastrophenrisiko:
Rechenzentren sollten in Gebieten mit geringem Risiko für Erdbeben, Überschwemmungen, Stürme oder andere Naturkatastrophen errichtet werden. Umfassende Risikobewertungen erhöhen die Widerstandsfähigkeit und gewährleisten einen unterbrechungsfreien Betrieb. Studien von Ramboll zeigen, dass bestimmte Regionen aufgrund von Klimarisiken für Hyperscale-Rechenzentren ungeeignet sind.

3. Soziale Überlegungen

Lokale Einbindung:
Die Einbindung der lokalen Gemeinschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Rechenzentrumsprojekte stoßen häufig auf Widerstand, oft aufgrund von Umweltbedenken – ein Phänomen, das als „Rechenzentrum-NIMBYismus“ bekannt ist. In Virginia wurden Projekte im Wert von 900 Millionen US-Dollar blockiert, was zu Verzögerungen in Höhe von 45,8 Milliarden US-Dollar führte.

Stakeholder-Engagement:
Transparente Kommunikation, öffentliche Konsultationen und Community-Vorteilsprogramme fördern Akzeptanz und guten Willen. Partnerschaften mit Kommunen, insbesondere in Regionen im Übergang von traditionellen Industriewirtschaften, erhöhen die Erfolgschancen erheblich. Erfahrungen von Ramboll zeigen, dass positive Beziehungen zu lokalen Behörden einen wesentlichen Faktor für den langfristigen Projekterfolg darstellen.

Abbildung 2: Überlegungen zur Standortwahl von Rechenzentren

Best Practices und Tools für optimale Standortwahl
  • Georäumliche Analyse mit GIS
  • Umfassende Due Diligence
  • Kosten-Nutzen-Analyse
  • Stakeholder-Zusammenarbeit
  • Nachhaltigkeitsbewertung
Schlüssel zur erfolgreichen Rechenzentrums-Standortwahl

Zuverlässige Stromversorgung und leistungsfähige Konnektivität bilden das Fundament für einen effizienten Rechenzentrumsbetrieb. Frühes Stakeholder-Engagement sowie die Einhaltung lokaler Vorschriften helfen, Verzögerungen zu vermeiden und Genehmigungsprozesse zu sichern. Gleichzeitig sind die Bewertung des lokalen Klimas, der Kühl- und Wasserinfrastruktur sowie der Risiken durch Naturkatastrophen entscheidend für die Widerstandsfähigkeit des Standorts. Die Einbindung der lokalen Gemeinschaft und transparente Kommunikation fördern Akzeptanz und langfristige Partnerschaften. Der Einsatz strukturierter Prozesse und moderner Tools unterstützt eine fundierte, datengestützte Standortentscheidung.

Diese Faktoren verdeutlichen die Bedeutung sorgfältiger Planung und informierter Entscheidungsfindung bei der Entwicklung von Rechenzentren. Obwohl die Standortwahl komplex ist, legt sie den Grundstein für langfristigen Projekterfolg, operative Effizienz und nachhaltige Wertschöpfung.

Rambolls Expertise für Ihren Projekterfolg

Ramboll ist ein global führendes Beratungsunternehmen, das integrierte, innovative und nachhaltige Lösungen über den gesamten Lebenszyklus von Rechenzentren bietet. Unsere Expertise deckt alle Aspekte der Standortwahl ab – von der Durchführung umfassender georäumlicher Analysen bis zur Sicherstellung der Einhaltung von Umwelt- und Regulierungsstandards.

Unsere Leistungen im Überblick:

  • Georäumliche Analyse: Einsatz fortschrittlicher GIS-Tools zur Identifizierung optimaler Standorte für Ihr Rechenzentrum.
  • Due-Diligence-Bewertungen: Umfassende Analysen ökologischer, sozialer, technischer und Energie-Aspekte zur fundierten Entscheidungsunterstützung.
  • Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung von Bau-, Betriebs- und Energiekosten zur Bestimmung der wirtschaftlich effizientesten Optionen.
  • Stakeholder-Engagement: Unterstützung transparenter Kommunikation und Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Gemeinden zur Sicherung notwendiger Genehmigungen.
  • Nachhaltigkeitsbewertungen: Analyse von Umweltauswirkungen und Ausrichtung auf Nachhaltigkeitsziele zur langfristigen Widerstandsfähigkeit.
  • Compliance-Unterstützung: Beratung zu Zonierungsvorschriften, Genehmigungsverfahren und Einhaltung relevanter Umwelt- und Regulierungsstandards.
  • Technische Beratung: Expertise zu Stromversorgung, Konnektivität, Sicherheitsmaßnahmen, Wasserinfrastruktur und Nähe zu Endbenutzern sowie konzeptionelle Masterplanung für optimale Leistung und Kosteneffizienz.


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  • Andrea H. Merkle

    Director, Global E&H Data Centre Sector

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