Queens Quay, Schottland: Fernwärme

Das Flusswasser des Clyde dient als Quelle für 100% emissionsfreie Energie in einem ambitionierten Stadtentwicklungsprojekt in West Dunbartonshire, Großbritannien. Ramboll hat den Masterplan und eine Machbarkeitsstudie für das Entwicklungsprojekt Queens Quay beigesteuert.
The £15m energy project is one of the UK’s most exciting initiatives within low-carbon heat delivery and is expected to cut more than 4,000 tonnes of CO2 emissions yearly, making Clydebank one of the greenest towns in Scotland. The entire area of Queens Quay will be heated with water from the River Clyde which will be extracted by Scotland’s biggest large-scale water source heat pump

Die John-Brown-Werft in West Dunbartonshire vor den Toren Glasgows war einst die Heimat einiger der berühmtesten Ozeandampfer und Kriegsschiffe, die für die Royal Navy gebaut wurden.

Doch nach seiner Blütezeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfiel das Areal nach der Schließung der Werft 1971 zusehends.

Seit 2017 hat ein Stadterneuerungsprojekt im Wert von 250 Millionen Pfund dem Gebiet neues Leben eingehaucht. Das Ziel war, das Werftgelände in ein modernes Quartier am Wasser mit der Bezeichnung Queens Quay zu verwandeln.

Ein zentraler Bestandteil dieser Planungen war ein neues Heizkraftwerk zur Versorgung des 32 Hektar großen Mischnutzungsprojekts mit 100 % CO2-freier Fernwärme aus dem Fluss Clyde.

Eine Premiere in der emissionsarmen Wärmeversorgung in Schottland

Als größtes Wärmepumpen-Fernwärmesystem Schottlands mit Wasser als Energiequelle entnimmt das hochmoderne System Wasser aus dem Fluss und erhöht dessen Temperatur mithilfe von Wärmepumpen. Die Wärme wird dann über unterirdisch verlegte, isolierte Rohrleitungen an Haushalte und Gewerbebetrieb vor Ort verteilt.

Durch die Substitution von Erdgaskesseln vermeidet das neue System mehr als 2.000 Tonnen CO2-Emissionen im Jahr. Als erste Wärmepumpen-Großanlage dieser Art in Schottland wurde das Projekt auf der COP26 in Glasgow 2021 präsentiert.

„Mehrere Generationen künftiger Bewohner:innen von Clydebank werden von diesem bahnbrechenden Projekt profitieren. Das System wurde so geplant, dass es nicht nur die Gebäude von Queens Quay versorgen kann, sondern auch Gewerbebetriebe und Wohngebäude in größerer Entfernung. Es wird darüber hinaus einen erheblichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele des Landkreises zur Senkung der CO2-Emissionen leisten“, erklärte die damalige Stadträtin von Clydebank, Marie McNair.

Rückhalt für die Net-Zero-Strategie von West Dunbartonshire

Ramboll wurde von der Kreisverwaltung von West Dunbartonshire mit der Erstellung eines Masterplans und einer Machbarkeitsstudie beauftragt, die von Zero Waste Scotland finanziert wurde, einer von der schottischen Regierung unterstützten Organisation.

„Dieses Projekt Wirklichkeit werden zu sehen, ist ein großer Meilenstein nicht nur für die Bevölkerung vor Ort, sondern auch für Ramboll. Wir arbeiten seit etwa fünf Jahren mit der Kreisverwaltung West Dunbartonshire an diesem Projekt, und es war uns eine große Ehre, es mit unserem Know-how in den Bereichen Fernwärme und emissionsarme Energie unterstützen zu dürfen“, sagte Paul Steen, Leiter der Fernwärmesparte von Ramboll, bei der Eröffnung des Werks 2021.

„Ich glaube, Queens Quay wird sich zu einem Referenzprojekt von Weltrang und einer Inspiration für andere Kommunen entwickeln, die nach Möglichkeiten für eine emissionsarme Wärmeversorgung suchen. Das Projekt wird Erkenntnisse für künftige Projekte liefern, und wir möchten dem gesamten Team für die Überwindung zahlreicher technischer Herausforderungen danken: von der Planung eines Systems, das kompatibel mit der Bestandsbebauung ist, bis zur Verhinderung potenzieller Risiken durch Muschelbewuchs in den Wärmetauschern“, fügte er hinzu.

In West Dunbartonshire entfallen 44 % des CO2-Budgets auf Gebäudeenergie. Dieses Projekt ist der erste Schritt zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung und ist Teil der auf 20 Jahre angelegten Strategie der Kreisverwaltung, bis 2045 keine Nettoemissionen mehr zu verursachen.

Bewohner:innen und Gewerbetreibende Queens Quay profitieren zudem von niedrigeren Energierechnungen, da die Wärmepumpen Wärme deutlich billiger produzieren als die alten Gaskessel.

Flüsse könnten 80 % des Wärmebedarfs Schottlands decken

Das Projekt Queens Quay, dessen Eigentümer und Betreiber der Landkreis West Dunbartonshire ist, hat 15 Millionen Pfund gekostet und wurde von der schottischen Regierung finanziell unterstützt. Es zeigt das enorme Potenzial der Wärmeversorgung von Städten mit Hilfe von Flüssen.

Eine von der NGO greenspace Scotland und Ramboll erstellte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Flüsse und Grünflächen in Städten fast 80 % des Wärmebedarfs Schottlands decken und damit 4,7 Millionen Tonnen CO2e einsparen könnten. Das entspricht dem gleichen Effekt, den man erzielen würde, wenn man 60 % des Pkw-Bestands in Schottland für ein Jahr aus dem Verkehr ziehen würde.

Die Internationale Energieagentur unterstreicht mit ihrer Empfehlung, weltweit eine Frist bis 2025 für die Beendigung des Verkaufs neuer Gaskessel zu setzen, wie wichtig es ist, die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, um auf dem richtigen Weg zur Netto-Emissionsfreiheit bis 2050 zu bleiben.

Als globaler Marktführer für emissionsarme Fernwärmesysteme verfügt Ramboll über mehr als 40 Jahre Erfahrung aus mehr als 200 Projekten und kann damit Energielösungen aus einer Hand anbieten. Wir unterstützen unsere Kund:innen im gesamten Projektlebenszyklus von der Machbarkeitsstudie und Planung bis hin zum Bau und Betrieb.

Preise:

  • Erster Preis in der Kategorie „Gerechter Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft“ beim jährlichen COSLA Excellence-Wettbewerb, bei dem herausragende Projekte lokaler Behörden in Schottland ausgezeichnet werden.
  • Erster Preis in der Kategorie CO2-Reduktion bei den Scottish Green Energy Awards 2021

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  • Guy Milligan

    Associate, Energy Strategy & Planning

    +44 7583 107816

  • Lucy Padfield

    Director

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