20. Februar 2022

Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffbranche – Ramboll entwickelt Recyclingstrategie

Kunststoffe begegnen uns in unserem Alltag ständig und überall – zu einem Großteil verbaut in Fahrzeugen oder Elektro- und Elektronikgeräten (EEG). Allein 2018 fielen europaweit etwa 29 Mio. Tonnen an Kunststoffabfällen an - Tendenz steigend. Derzeit wird jedoch ein erheblicher Teil der industriell eingesetzten Kunststoffe nicht recycelt oder wiederverwertet.

Die im Jahr 2018 veröffentlichte europäische Kunststoffstrategie verfolgt das Ziel, Kunststoffabfälle deutlich zu reduzieren und deren Recycling und Wiederverwendung zu stärken (EC, 2018). Ziel ist es, Kunststoffe so lang wie möglich im Materialkreislauf zu halten und entsprechende Recyclingmethoden zu fördern. Sie bildet die Grundlage für die nachhaltige Transformation der Kunststoffindustrie.

Fokus auf Kunststoffkomponenten in Fahrzeugen und Elektronikgeräten

Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) hat dazu das Forschungsvorhaben Kunststoff-Recyclingstrategien von Elektroaltgeräten und Altfahrzeugen (KUREA) ins Leben gerufen. Unsere Expertinnen und Experten arbeiten gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) an einer Studie zur Stärkung von Recyclingtechniken und Rezyklateinsatz sowie der Entwicklung konsistenter Recyclingstrategien für Altfahrzeuge und Elektroaltgeräte.

In dem Forschungsvorhaben nehmen wir Komponenten in den Fokus, die in der Automobil-, sowie der Elektro- und Elektronikbranche verbaut werden. Wenngleich Metall aus Elektroaltgeräten und Altfahrzeugen schon heute zu einem Großteil recycelt wird, ist das bei den eingesetzten Kunststoffen nur zu knapp 5 % der Fall.

Großes Potenzial für eine signifikante Steigerung der Recyclingquote

Um den Recyclinganteil signifikant zu steigern, führt das Fraunhofer Institut als unser Projektpartner praktische Versuche zum Recycling von Kunststoffen aus Altfahrzeugen und Elektroaltgeräten durch.

Auf Grundlage der Versuche und weiterer Recherchen entwickeln unsere Expertinnen und Experten Separations- und Recyclingstrategien und leiten Maßnahmen zur Verbesserung des werkstofflichen Kunststoffrecyclings ab. Schon jetzt kann man sagen, dass eine sehr viel höhere Recyclingquote dieser Kunststoffe möglich und sinnvoll wäre, jedoch müssen zunächst die bestehenden Barrieren abgebaut werden.

Erste Ergebnisse gehen in Richtung einer kombinierten Separations- und Recyclingstrategie

Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss im Frühjahr 2022, und schon jetzt gibt es einige Erkenntnisse. Für die in Altfahrzeugen und Elektroaltgeräten verbauten Kunststoffteile ist eine kombinierte Recyclingstrategie wohl die vielversprechendste. Bei dieser Strategie werden vor dem Schreddern der Altfahrzeuge oder Elektroaltgeräte, soweit sinnvoll, bestimmte Kunststoffkomponenten ausgebaut und dem Recycling zugeführt. Ein möglichst großer Anteil des verbleibenden Kunststoffs kann dann in einem erweiterten sogenannten „Post-Schredder-Treatment“ recycelt werden.

Voraussetzung hierfür ist, dass bereits bei Design, Herstellung und Montage der Fahrzeuge und Elektrogeräte auf die Belange des Kunststoffrecyclings geachtet wird.

Zusammenfassend werden in diesem Projekt einige wichtige zielführende Maßnahmen für die Separation der Kunststoffe vor dem Recycling sowie für Herstellung und Vermarktung vorgeschlagen. Diese unterstützen die Recyclingstrategie und nehmen vor allem auch Hersteller stärker in die Verantwortung.

  • Stärkung fortschrittlicher Verfahren oder Verfahrenskombinationen für eine frühzeitige Separation oder erweitertes Post-Schredder-Treatment für ein werkstoffliches Recycling von Kunststoffen
  • Festlegung eines rechtlich verbindlichen Kunststoffrecyclingziels für Elektroaltgeräte und Altfahrzeuge
  • Festlegung einer rechtlich verbindlichen Einsatzquote für Kunststoffrezyklate in Elektrogeräten und Fahrzeugen
  • Designvorgaben für recyclefähige Komponenten in EEGs und Altfahrzeugen

Einbindung aller Stakeholder wichtig für den langfristigen Erfolg

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt ist, dass eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bereits im Herstellungsprozess ansetzen muss und alle Stakeholder im Lebenszyklus einbezogen werden müssen.

Klare rechtliche und politische Rahmenbedingungen schaffen Anreize für die Separation von „werkstofflich recycelbaren“ von „nicht werkstofflich recycelbaren“ Kunststoffen und tragen wesentlich zu einem Umdenken in der Branche und zur Investitionsbereitschaft bei. „Die gebündelte Expertise von Fraunhofer IVV und Ramboll schafft uns technisch und methodisch eine sehr gute Basis, um das werkstoffliche Kunststoffrecycling in diesen beiden Branchen auch politisch voranbringen zu können“ bestätigt Hr. Christian Kitazaume, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet III 1.2, Produktverantwortung - Elektrogeräte, Fahrzeuge und Batterien, im Umweltbundesamt in Dessau.