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10. März 2026
Wie kann der „Nordic Way“ die globale urbane Transformation inspirieren?
Wie können Helsinki, Stockholm, Oslo und Kopenhagen eine resiliente urbane Transformation beschleunigen? Basierend auf den Erkenntnissen von 103 Stadtverantwortlichen aus den nordischen Ländern liefert unser Bericht „The Nordic Way“ Impulse, die Städte weltweit inspirieren können.





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Signe Kongebro
Global Director, Future Resilient Design
Städte sind mehr als reine Wohnorte – sie sind produktive Wirtschaftssysteme. Wie bei jedem komplexen System hängt ihre langfristige Leistungsfähigkeit von ihrer Resilienz ab, also der Fähigkeit, Schocks zu absorbieren, sich an Veränderungen anzupassen und unter Druck funktionsfähig zu bleiben. Städtische Resilienz ist damit nicht nur ein soziales oder ökologisches Ziel, sondern auch ein zentraler wirtschaftlicher Treiber.
Von „Soft Cities“ zu globalen Vorbildern
Die nordischen Hauptstädte haben das geschafft, was oft als „Soft City“ bezeichnet wird: Kopenhagen, Stockholm, Oslo und Helsinki zählen durchweg zu den lebenswertesten und glücklichsten Städten der Welt und gelten als Vorreiter des ökologischen Wandels. Aus Sicht der globalen Kapitalmärkte werden diese hochwertigen Städte jedoch weiterhin als unterbewertet und fragmentiert wahrgenommen.
Unser Bericht „The Nordic Way“ untersucht, wie die nordischen Hauptstädte langfristige Resilienz in den Bereichen Klima, Infrastruktur und Governance sichern. Grundlage sind die Erkenntnisse von 103 Führungskräften und städtischen Akteuren aus Verwaltung, Versorgungsunternehmen, Investitionen, Immobilienentwicklung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Diese Perspektiven wurden in einer Reihe von Roundtables und vertiefenden Interviews in den nordischen Hauptstädten erhoben.
Aufbauend auf den Erkenntnissen aus „The Copenhagen Way“, das Ramboll gemeinsam mit Urban Partners und BLOXHUB entwickelt hat, sowie auf Kopenhagens eigenem Transformationsprozess nach dem Beinahe-Bankrott zeigt der Bericht, dass Städte innerhalb einer Generation einen systemischen Wandel erreichen können – wenn Vision, Vertrauen und sektorübergreifende Zusammenarbeit konsequent aufeinander abgestimmt sind.
BILDERGALERIE
BILDERGALERIE
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Helsinki Zentralbibliothek Oodi

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Oslo Hauptbahnhof mit dem Barcode-Bereich im Hintergrund.

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Fahrradschlange, Kopenhagen
© Rasmus Hjortshøj

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Slakthusområdet, Stockholm
Helsinki Zentralbibliothek Oodi

Oslo Hauptbahnhof mit dem Barcode-Bereich im Hintergrund.

Fahrradschlange, Kopenhagen
© Rasmus Hjortshøj

Slakthusområdet, Stockholm
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Helsinki Zentralbibliothek Oodi
Von blinden Flecken zu gemeinsamen Prioritäten
Die Gespräche haben eine gemeinsame Herausforderung deutlich gemacht: Die nordischen Hauptstädte verfügen zwar jeweils über bemerkenswerte Stärken, agieren jedoch häufig als getrennte Systeme statt als koordinierte Region. Dadurch wird ihre kollektive Wirkungskraft nicht vollständig ausgeschöpft.
Der Bericht identifiziert die blinden Flecken jeder Stadt:
1. Oslo
Oslo ist eine wohlhabende Stadt, hat jedoch Schwierigkeiten, seine Vision umzusetzen.
2. Helsinki
Helsinki zeigt erstklassige Fähigkeiten in Makroinfrastruktur und Ingenieurwesen, muss sich jedoch auf die menschliche Dimension konzentrieren, um globale Talente anzuziehen.
3. Stockholm
Stockholm bleibt ein Innovationsvorreiter, riskiert jedoch durch bürokratische Reibung, die das Unternehmertum hemmt, in eine Stagnation zu geraten.
4. Kopenhagen
Kopenhagen zeigt, dass ein radikaler Wandel innerhalb einer Generation möglich ist, steht jedoch vor einer fragmentierten Innovationskultur und riskiert nach Jahrzehnten des Erfolgs selbstgefällig zu werden.
Parallel dazu kristallisierten sich aus den Diskussionen in den vier Hauptstädten drei gemeinsame Prioritäten heraus:
Gemeinsame Prioritäten
Adaptive Governance
Neue Modelle öffentlich-privater Finanzierung
Stadtgestaltung auf Quartiersebene
Adaptive Governance
Neue Modelle öffentlich-privater Finanzierung
Stadtgestaltung auf Quartiersebene
Gemeinsam können diese Ansätze die Umsetzung beschleunigen, Risiken besser verteilen und die Resilienz des urbanen Alltags stärken.
Resilienz ist ein Wettbewerbsvorteil
Der Bericht weist auf einen starken Zusammenhang zwischen der Widerstandsfähigkeit von Städten und ihrer langfristigen Wirtschaftsleistung hin. Städte, die bei Indikatoren für Widerstandsfähigkeit wie Sicherheit, Lebensqualität und robuster Infrastruktur besser abschneiden, verzeichnen ein um fast einen Prozentpunkt höheres jährliches reales BIP-Wachstum.
Widerstandsfähigkeit ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil, der dazu beiträgt, Risiken für die Zukunft zu minimieren, langfristiges Kapital anzuziehen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
Mit einer Gesamtbevölkerung von 28 Millionen Menschen, einer gemeinsamen Position unter den zwölf größten Volkswirtschaften der Welt und dem weltweit höchsten Maß an gesellschaftlichem Vertrauen verfügt die nordische Region über beste Voraussetzungen, zur resilientesten urbanen Region der Welt zu werden.
Um dieses Potenzial zu realisieren, müssen wir über parallele Stadtstrategien hinausdenken und eine tiefere regionale Zusammenarbeit fördern. Eine vielversprechende Perspektive bietet der entstehende Y-förmige Korridor, der Oslo, Stockholm, Kopenhagen, Helsinki und Hamburg verbindet. Durch eine stärkere grenzüberschreitende Integration entlang dieses Korridors könnten die nordischen Hauptstädte Vertrauen in Wachstum, Resilienz in wirtschaftliche Stärke und Zusammenarbeit in globale Wettbewerbsfähigkeit verwandeln.
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Global Director, Future Resilient Design